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    Gedenkkopf von Nana Attabra
    Akan; Aowin-Gebiet, Nkwanta, Ghana
    18. Jahrhundert
    Terrakotta
    Musée Dapper, Paris

     

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    Gedenkkopf
    Akan; Kwahu-Gebiet, Ghana
    19. – 20. Jahrhundert
    Terrakotta, Kaolin
    The Metropolitan Museum of Art, New York

     

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    Gedenkkopf
    Akan; Twifo-Heman-Gebiet (?), Ghana
    18. Jahrhundert
    Terrakotta
    Musée Dapper, Paris

     

  • Prunk und Ritual: die Akan

    Der Tod eines Ältesten gleicht dem Brand einer Bibliothek.

    — Westafrikanisches Sprichwort


    Bereits im 17. Jahrhundert modellierten Künstler der Akan-Volksgruppen im heutigen südlichen Ghana und im Südosten der Elfenbeinküste Porträtköpfe von Oberhäuptern, Priestern, Königsmüttern und anderenWürdenträgern aus Ton. Diese Werke priesen die Oberhäupter als Träger kollektiver Erfahrung, Weisheit und der Geschichte ihres Volkes.

    Die Akan stellten die Porträtköpfe und -figuren in heiligen Ruhestätten jenseits der Dorfgrenzen
    auf. Dieser religiöse Akt bildete zugleich den Höhepunkt der Gedenkfeierlichkeiten, bei denen man die Kunstwerke in Begleitung von Musik, Tanz und Speiseopfern durch die Gemeinde trug. Die Gedenkköpfe waren in den frei zugänglichen Hainen für Diebe eine leichte Beute. Mit einem Diebstahl zerbrach aber die Verbindung zwischen demWerk und dem Porträtierten, waren es doch ihr bestimmter Platz innerhalb der Figurenaufstellung im Hain sowie die lokalen Erzählungen und Erinnerungen, welche diese Werke mit den porträtierten Menschen verknüpft hielten.

    Die Künstler der verschiedenen Akan-Völker entwickelten völlig unterschiedliche Stile: von den
    beinahe flachen, schematischen Gedenkköpfen der Kwahu bis hin zu sehr detailliert gearbeiteten
    zylindrischenWerken der Aowin. Typisch für alle Werke ist der gegen den Himmel gerichtete Blick des Porträtierten. Obwohl die Künstler eine genaue Darstellung des Modells anstrebten, sind sich die
    Gedenkköpfe aus derselben Gegend sehr ähnlich. Dies verweist auf die Idee einer essenziellen spirituellen Dimension (kra), die alle Individualität übersteigt und die Seele eines Herrschers oder einer Herrscherin mit den Seelen der Vorfahren vereint. Die Terrakotten der Akan sind daher auch ein Ausdruck der Idee eines spirituellen Kontinuums durch die Generationenfolge hindurch (sunsum).

    Da die Arbeit mit Ton in der Kultur der Akan Frauensache ist, schufen wahrscheinlich vor allem
    Töpferinnen diese Bildnisse. Berichten zufolge studierte die von der Familie ausgewählte Künstlerin ihr Modell in wiederholten Sitzungen während seines gesamten Lebens. Um die innige Verbindung zwischen dem Kunstwerk und dem Porträtierten noch zu verstärken, legte man Haare oder Nägel von Familienmitgliedern in eine Öffnung an der Hinterseite der hohlen Plastik.

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