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    Gedenkfigur eines Königs
    Bamileke; Bangwa, Grasland, Kamerun
    19. Jahrhundert
    Holz
    Musée Dapper, Paris

     

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    Gedenkfigur einer Priesterin
    Bamileke; Bangwa, Grasland, Kamerun
    19. Jahrhundert
    Holz, Pigmente
    Musée Dapper, Paris

     

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    Gedenkfigur
    Bamileke; Bangwa, Grasland, Kamerun
    19. Jahrhundert
    Holz
    Privatsammlung

     

  • Tanzende Figuren und Thronskulpturen: die Königtümer des Graslandes

    Hier ist der Stein, auf dem die Vorfahren deines Vaters gesessen haben, bevor sie auf den Thron gelangten, und genau auf diesem Stein sitzt du heute [;] daher bist du König. Möge Yoruban [Gott] dich segnen.... Möge Yoruban dir viele Kinder schenken, und mögen dein Kriegsspeer mächtig und deinWerk kraftvoll sein. Möge Yoruban dir viele gute Ratschläge geben und deinen Wohlstand mehren;  ... Yoruban erkennt dich als König der Bamum an.

    — Njoya, König von Bamum (reg. um 1885–1933)


    In Kameruns dicht bevölkertem Hochland, dem sogenannten Grasland, waren die Oberhäupter
    von Grossfamilien, Dörfern und Fürstentümern die Mittler zwischen ihren Untergebenen und den
    verehrten Ahnen. Bis zum 20. Jahrhundert gab es in der Region etwa 150 grössere und kleinere Königreiche. Jedem Reich stand ein sogenannter fon vor. Dieser König oder Chief war die höchste zivile und militärische Autorität auf seinem Staatsgebiet. Heute sind die Nachfolger dieser vorkolonialen Herrscher in ein föderales Regierungssystem eingebunden.

    Starb ein fon, ehrten ihn seine Untertanen nach streng vorgegebenen Regeln. Nur so konnten
    sie sichergehen, dass er seinem Volk über den Tod hinaus seine Gunst erwies. Zugleich stärkten sie Körper und Geist des Thronfolgers. Die Verknüpfung dieser beiden Aufgaben war entscheidend für den Übergang der Macht von einem König auf den nächsten. Bei den komplizierten Thronbesteigungsriten gingen die Lebenskraft und die heiligen Würdezeichen des verstorbenen fon auf seinen Nachfolger über. Auf dem Höhepunkt der Amtseinsetzung zog der neue Herrscher die Kleidung seines Vorgängers an. Sobald der neue fon alle Würdezeichen erhalten und auf dem Amtssitz Platz genommen hatte, verschmolz er mit seinem Vorgänger.

    In den Fürstentümern der Bangwa im Westen und im Königtum Kom im Nordwesten des Graslandes
    schufen die Künstler zum Gedenken an die verstorbenen Herrscher ganz unterschiedliche Skulpturen. Die Bangwa-Künstler stellten die königlichen Ahnen sitzend oder bei verschiedenen Tätigkeiten dar. Diese lefem genannten Figuren erinnerten an eine bestimmte Regentschaft in der dynastischen Abfolge. Die Bangwa glaubten, dass sie vom Wesen ihrer Vorbilder durchdrungen seien, und behandelten sie daher wie Menschen. Ein Herrscher liess neben seiner eigenen Gedenkfigur oft auch Skulpturen seiner Lieblingsfrauen oder Prinzessinnen anfertigen.

    In Kom zählten majestätische Figurenthrone zu den wertvollsten königlichen Besitztümern. Sie bestehen aus einer lebensgrossen Figur des fon oder seiner wichtigsten weiblichen Angehörigen und aus einem Königssitz, auf dem jedoch nie jemand Platz nahm. Diese Kunstwerke standen im Zentrum der Thronbesteigungsriten in Kom. Nur mit einem solchen Thron konnte das Amt des fon rechtmässig auf seinen Nachfolger übergehen.

    Die Bangwa und Kom entfernten die Gedenkfiguren nur selten aus ihren Schreinen, etwa für die
    jährlichen Segnungen der Untergebenen oder für die Inthronisierungsfeiern eines neuen Königs.
    Verstorbene Herrscher konnten dann über die Präsenz ihre Bildnisse am Leben ihres Volkes teilhaben.

     

     

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