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    Porträt von Antoninus Pius
    Römisches Reich
    Antoninische Dynastie, um 140 n. Chr.
    Marmor
    Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

     

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    Kopf eines oba
    Edo; Hof von Benin, Nigeria
    16. Jahrhundert
    Messing
    The Metropolitan Museum of Art, New York

     

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    Kopf des oba Osemwenede
    Edo; Hof von Benin, Nigeria
    Um 1810
    Messing
    Museum Rietberg Zürich,
    Geschenk Eduard von der Heydt

     

  • Grösse bewahren: das Königreich Benin und die europäische Antike

    Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.

    — Hippokrates (460–400 v. Chr.)


    Überall auf der Welt und zu allen Zeiten – in Benin genauso wie in der klassischen Antike – haben sich Künstler der Herausforderung gestellt, bedeutende Persönlichkeiten in Skulpturen zu verewigen. Um einem ausserordentlichen Menschen ein Denkmal zu setzen, entwickelten sie verschiedene bildliche Darstellungsformen.

    Der Tod einer verehrten Persönlichkeit bedeutete einen grossen Verlust, der durch die greifbare und bleibende Gegenwärtigkeit der Figur zumindest teilweise ausgeglichen werden konnte. Die Skulpturen dienten nicht allein der Erinnerung eines Menschen, sondern auch als dessen Ersatz. Trotzdem schufen die Künstlerinnen und Künstler keine getreuen Abbilder, sondern idealisierten die porträtierten Persönlichkeiten, indem sie einige ihrerWesenszüge besonders hervorhoben. Diese Werke sollten die Geschichte lebendig halten und regten gleichzeitig spätere Künstler zur Nachahmung an. Entfernte man die stark idealisierten Bildnisse jedoch aus ihren ursprünglichen Aufstellungsorten und Widmungszusammenhängen, wurde es schwierig, sie einer bestimmten Persönlichkeit zuzuordnen. Im alten Rom liessen Kaiser Porträtbüsten von sich verbreiten, die dem klassischen Ideal folgten und sie als junge, energische Herrscher zeigten. Solche offiziellen Porträts lieferten die künstlerischen Vorgaben für die Darstellungen späterer Kaiser, die sich damit in eine Linie mit ihren grossen Vorgängern stellten.

    In ähnlicher Weise nahmen sich die Künstler am Hof von Benin die Skulptur eines grossen Herrschers zum Vorbild, um die Beständigkeit der Macht über Generationen hinweg zu unterstreichen. Archäologischen Quellen und mündlicher Überlieferung zufolge war Benin im 13. Jahrhundert ein blühendes Reich. Im 14. Jahrhundert begannen die Mitglieder der aufstrebenden Oranmiyan-Dynastie, auf ihren Altären im Palast der Stadt Benin idealisierte Gedenkköpfe aufzustellen, um die Herrscher ihrer Abstammungslinie zu ehren. Dadurch sicherte sich der König die anhaltende Unterstützung seiner Vorgänger. Die mündliche Überlieferung nennt König Ewuare, der Mitte des 15. Jahrhunderts regierte, als ersten Auftraggeber solcher frei stehenden, gegossenen Messingköpfe. Diese Werke hielten ihn für alle Zeiten in der Blüte seiner Jugend fest. Im subsaharischen Afrika wie auch in Europa schufen die Künstler also keine wirklichkeitsgetreuen Abbilder ihrer Helden, sondern idealisierte und überhöhte Porträts, welche die Dargestellten ehren und verewigen sollten.

     


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