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    Pwo-Maske
    Chokwe; Angola
    Um 1820
    Holz, Fasern, Metall
    Privatsammlung

     

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    Pwo-Maske
    Chokwe; südliche Kasai-Region, DR Kongo
    19. Jahrhundert
    Holz, Fasern, Pigmente, Metall, Plastik,
    Substanzen tierischen und pflanzlichen Ursprungs
    Königliches Museum für Zentralafrika, Tervuren

     

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    Figur eines Leoparden-Oberhaupts
    Luluwa; Makabu-Buanga, DR Kongo
    19. Jahrhundert
    Holz
    Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin

     

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    Gedenkfigur
    Chokwe; Angola
    19. Jahrhundert
    Holz, Messing, Menschenhaar
    Museu de História Natural – Faculdade de
    Ciências da Universidade do Porto

     

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    Gedenkfigur eines Herrschers als
    Chibinda Ilunga
    Chokwe; Angola
    Vor 1850
    Holz
    Museum Rietberg Zürich,
    Geschenk durch Vermittlung von Novartis

     

  • Von Jägerprinzen und jungen Schönheiten: die Chokwe und die Luluwa

    Ilunga kam zu Lueji, und sie lud ihn ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen...umgeben von ihren Dienerinnen...hörte sich Lueji die Geschichte Ilungas an und wie er vorhatte, seine Heimat für immer zu verlassen. Dann zeigte er ihnen die rechte chimbuia-Axt, Zeichen seines Ranges. Er reichte sie herum, und sie wurde sehr bewundert.

    — Lunda-Epos


    Die Liebesgeschichte von Chibinda Ilunga und Königin Lueji war unter den Chokwe- und Luluwa-
    Völkern des heutigen Angola und Sambia weitherum bekannt. Ilunga, ein fremder Jägerprinz mit
    sagenhaftem Mut, verkörperte die Eigenschaften, die sich auch die Herrscher der Chokwe und Luluwa
    gerne zu eigen machen wollten.

    Die Chokwe lebten in den Wäldern rund um die Wasserscheide der Flüsse Kasai, Kwango, Sambesi und Cuanza in Ost- und Zentralangola. Sie jagten und  sammelten Wachs, Honig und Kautschuk. Als die Portugiesen 1830 die Sklaverei in Angola abschafften, gewannen Wachs und Elfenbein als Exportgüter an Bedeutung. Die Chokwe konnten sich als Hauptlieferanten etablieren und kamen so zu grossem Wohlstand.

    Ein neuer Chokwe-Herrscher musste seine rechtmässige Verbindung zu seinem Vorgänger belegen, um die Macht über Land und Leute zu erlangen. Dazu dienten ihm geschnitzte Figuren der früheren Herrscher, die von deren Wesen durchdrungen waren. Die eindrucksvollen Figuren betonen die physische Kraft der porträtierten Herrscher. Ihre Körper sind bis in die anatomischen Details sorgfältig geschnitzt. Besonders auffallend sind der Kopfschmuck und die stark vergrösserten Hände und Füsse.

    Die Chokwe waren furchtlose Jäger und talentierte Eisenschmiede. Sie besassen ein ganzes Arsenal funktionierender europäischer Gewehre, mit denen sie die Elefantenherden der Region im Verlauf von nur fünf Jahren ausrotteten. Auf der Suche nach neuen Elfenbeinquellen zogen sie nach Norden, Osten und Westen. In einigen Gebieten schlossen sie mit anderen Völkern einen Pakt: Die Chokwe durften auf ihrem Gebiet jagen, mussten ihnen aber einen Teil der Beute abgeben. Andernorts stiegen sie zu Mittelsmännern in den regionalen Handelsnetzen auf. Im Laufe der Zeit eroberten die Chokwe eine bedeutende Machtstellung in der Region. Diese Chokwe-Auswanderer führten ihre Skulpturen als Zeichen ihres Ranges stets mit sich.

    Die Luluwa waren ebenfalls geschickte Jäger. Sie schlossen mit den Chokwe Handelsabkommen,
    die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Gesellschaft entscheidend veränderten: Einige wenige Luluwa-Oberhäupter kamen durch den Handel mit den Chokwe zu grosser Macht und den Reichtum. Um ihre Stellung zu betonen, übernahmen sie Elemente der Chokwe-Kultur und liessen sich ebenfalls Skulpturen schnitzen. Mit dem Einfall der Europäer ab Mitte des 19. Jahrhunderts verloren die Chokwe- und Luluwa-Herrscher ihre Unabhängigkeit zusehends. Fortan konzentrierten sich ihre Künstler darauf, die vertrauten Gesichter ihrer Familienmitglieder in Masken festzuhalten, die für dauerhaftere Ideale standen.


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