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  • helden_hemba_fig209_312px.jpg

    Gedenkfigur
    Hemba, Niembo-Gruppe; Region Mbulula, DR Kongo
    19. – frühes 20. Jahrhundert
    Holz
    Privatsammlung

     

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    Gedenkfigur
    Hemba, Niembo-Gruppe; Region Mbulula, DR Kongo
    19. – frühes 20. Jahrhundert
    Holz
    Privatsammlung

     

    helden_hemba_fig203_312px.jpg

    Gedenkfigur
    Hemba, Niembo-Gruppe; DR Kongo
    19. – frühes 20. Jahrhundert
    Holz, Raffiastoff, Fell
    Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin

     

  • Dauerhafte Erinnerungen an erhabene Oberhäupter: die Hemba

    Wir bitten euch, unsere Ahnen und Geister, um Gesundheit und Fruchtbarkeit. Euch, Kibikelo und Kalume, Mbivu und Kabenja und Kiville, wir bitten euch heute, uns viele Kinder zu schenken, damit wir viel Zuwendung erhalten, und dafür zu sorgen, dass unsere Augen weiterhin klar sehen. Wir bitten darum, dass die Kinder in derWelt vorankommen, guter Gesundheit und weitsichtig sind. Das ist heute unser Gebet.

    — Gebet eines in Sola lebenden Würdenträgers der Nkuvu an die Ahnen und ihre Geister


    Die verstorbenen Herrscher, an die man solche Gebete richtete, blieben bei den Hemba durch
    majestätische Skulpturen allgegenwärtig. Sie fanden ihren Platz in Mausoleen, die zwar direkt vor den  Häusern der Oberhäupter standen, aber für die meisten Menschen nicht zugänglich waren. Diese lusingiti genannten Skulpturen waren offenbar nicht für ein irdisches Publikum bestimmt.

    In der Mitte jedes Hemba-Dorfes in den weiten Grasebenen nördlich und südlich des Luika, einem
    Zufluss des Oberen Kongo, stand ein grosser, muvela genannter Baum. Die Hemba pflanzten ihn,
    um die kollektive Anwesenheit der Familienahnen heraufzubeschwören. Aus seinem Holz schnitzen sie  die Skulpturen, in denen der Geist des Gründers eines Familienzweigs wohnte.

    Bei den Hemba galt die visuelle Wahrnehmung als wichtigstes Mittel der Erkenntnis. Zudem waren
    Verwandtschaftsbeziehungen von grosser Bedeutung. Deshalb betonten die Künstler vor allem den Kopf und den Rumpf, im Besonderen Augen und Nabel der Figuren. Die Lusingiti-Skulpturen folgten den Idealen der körperlichen Stärke und des besonnenen Nachdenkens; die Namen der Abgebildeten wurden von Mund zu Mund weitergegeben. Eine Grossfamilie besass eine ganze Sammlung dieser Figuren. Sie verkörperte ihr Verwandtschaftssystem und belegte die Rechtmässigkeit der Herrschaft des jeweiligen Oberhaupts über ein bestimmtes Gebiet. Durch die Figuren konnte er ausserdem die einflussreichsten Persönlichkeiten der Vergangenheit mit Gebeten und Opfern um Hilfe bitten.

    Die belgische Kolonialverwaltung begann ab 1917, die Dörfer der Hemba neu zu organisieren
    und nicht traditionelle Herrscher einzusetzen. Dadurch löste sich die gesellschaftliche Ordnung der Hemba auf, und die Tradition der Lusingiti-Figuren geriet allmählich in Vergessenheit.

    Dieser Teil der Ausstellung bietet die einmalige Gelegenheit, die vielfältige künstlerische Meisterschaft der Hemba anhand von 21 Statuen in neun regionalen Stilen zu bewundern.

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