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    Kopf
    Yoruba; Ife, Nigeria
    12. – 15. Jahrhundert
    Terrakotta
    Musée Barbier-Mueller, Genf

     

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    Kopf
    Yoruba; Ife, Nigeria
    12. – 15. Jahrhundert
    Terrakotta
    Minneapolis Institute of Arts

     

  • Bilder einer lebendigen Vergangenheit: Die Terrakotten von Ife

    Zu sterben bedeutet, göttlich zu werden – niemand verehrt eine lebende Person.

    — Yoruba-Sprichwort


    Das Gebiet der Stadt Ife im heutigen Südwest-Nigeria war bereits um 350 v. Chr. besiedelt. Zwischen 500 und 900 n. Chr. lebten dort Bauern, die Eisen bearbeiteten. Im 11. Jahrhundert war die Stadt zu einer bedeutenden Metropole herangewachsen. Sie besass eine Stadtmauer, Strassen und Gebäudekomplexe mit mehreren Innenhöfen, kunstvoll verzierten Steinpflastern und Altären. Generationen von Künstlern stellten hier Gedenkköpfe aus Terrakotta, Metallguss und Stein her, deren bestechender Naturalismus die aussergewöhnlichen Fähigkeiten ihrer Schöpfer bezeugt.

    Ife gilt bis heute als Gründerstadt für das Volk der Yoruba. Hier soll der Schöpfer Olodumare einst
    alles Leben in Gang gesetzt haben. Einige Versionen der Schöpfungsgeschichte erzählen, dass der
    Künstlergottheit Obatala die Aufgabe übertragen wurde, die Menschheit aus Lehm zu formen; andere
    schreiben diese Rolle Oduduwa zu, dem ersten Herrscher Ifes. Er schickte seine Söhne und Töchter in die Welt hinaus, um die wichtigsten Stadtstaaten der Yoruba zu gründen, und gab jedem von ihnen eine perlenbesetzte Krone als Symbol ihrer göttlichen Macht und Autorität mit. Auch die meisten der erhaltenen Gedenkköpfe aus Ife besitzen aufwendig gearbeitete Kronen und stehen daher vermutlich in Beziehung zum Herrschertum.

    Bis heute wissen wir nicht, warum in Ife so viele Terrakotta-Figuren hergestellt wurden. Da sie im
    Verlauf der Jahrhunderte vergraben, ausgegraben und wiederholt eingegraben wurden, ist ihre ursprüngliche Bedeutung kaum zu bestimmen. Im frühen 20. Jahrhundert standen antike Terrakotten aus Ife als Hauptfiguren auf Altären, die eine Kommunikation zwischen Gottheiten und Gläubige ermöglichten. Die Verschmelzung des Irdischen mit dem Göttlichen mag auch die Grundlage der erhaltenen historischen Terrakottabildnisse gewesen sein. Formal zeugen die fein gearbeiteten Gedenkköpfe von Ife von den Bemühungen der Künstler, die Eigenheiten eines genau beobachteten Modells wiederzugeben, diese aber gleichzeitig durch überweltliche Idealisierung abzumildern.

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