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Die Schönheit des Augenblicks

Frauen im japanischen Holzdruck
  • 7. Juli – 14. Oktober 2012

    Tsukasa Dayū aus dem Freudenhaus Higashi Ōgiya in Osakas Shinmachi-Viertel, Eishōsai Chōki, ca. 1800, Geschenk James A. Michener, 1991, © Honolulu Museum of Art

    In Zusammenarbeit mit dem Honolulu Museum of Art

    Die Ausstellung «Die Schönheit des Augenblicks» umfasst drei Einheiten von künstlerischen Arbeiten, die je in einem anderen Jahrhundert und in einem anderen Medium entstanden sind: den Holzdruck im 18./19. Jahrhundert, die Fotografie im 19./20. Jahrhundert und den Video im 21. Jahrhundert. Sie alle machen es sich zum Thema, einen flüchtigen Augenblick des gesellschaftlichen Lebens im Japan ihrer Zeit einzufangen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte bijinga, «Bilder schöner Frauen». Ihrer Schönheit wird in Momentaufnahmen von unwiederbringlichem Zauber gehuldigt.

    Holzdruck
    Den Hauptteil der Ausstellung bilden 100 Holzdrucke mit Darstellungen schöner Frauen aus dem Honolulu Museum of Art. Als eines der umfassendsten Museen auf Hawaii besitzt es unter anderem mehr als 10’000 Einzelblätter hervorragender japanischer Holzdrucke. Daraus wurde für die Ausstellung im Museum Rietberg das Thema «schöne Frauen» herausgelöst, das den bekannten amerikanischen Schriftsteller und Sammler James A. Michener (1907–1997), aus dessen vormaligem Besitz die meisten Drucke stammen, besonders begeistert hat. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Meisterwerke der bedeutendsten japanischen Holzschnittkünstler, die sich vorwiegend mit diesem Genre beschäftigten.

    Fotografie
    Das Thema «schöne Frauen» ist auch allgegenwärtig in den gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Japan aufgenommenen Fotografien von so bekannten Fotografen wie Kusakabe Kimbei, den Venezianern Felice Beato und Adolfo Farsari oder dem in Japan lebenden Österreicher Raimund von Stillfried-Ratenicz. Viele dieser kunstvollen Fotografien, besonders die Studioaufnahmen, wirken wie nachgestellte Szenen aus der Welt des Holzdrucks.

    Das Museo delle Culture in Lugano ist seit Kurzem im Besitz einer Sammlung von über 5000 handkolorierter Albumin-Fotografien, aus denen 50 Beispiele für die Ausstellung ausgewählt wurden. Hier vollzieht sich gleichsam nochmals derselbe Vorgang wie bei der Entwicklung des Holzdrucks. Sowohl in der Fotografie als auch in der Druckgrafik waren die ersten Kunstwerke schwarz-weiss. In einer zweiten Phase wurden sie handkoloriert, bis die Mehrfarbigkeit schliesslich technisch einfach erreicht werden konnte.

    Video
    Die Ausstellung wird abgerundet durch den Einbezug zweier Videoinstallationen der Künstlerin Tabaimo (geboren 1975), die von der Gallery Koyanagi in Tokio zur Verfügung gestellt werden. Mit ihrer aufsehenerregenden Installation im Japan-Pavillon an der Biennale in Venedig 2011 hat Tabaimo ihren Ruf als eine der bedeutendsten Gegenwartskünstlerinnen Japans gefestigt.
    Tabaimos vielschichtige Anspielungen auf traditionelle Holzdrucke in ihrer packend eigenständigen, teilweise verstörenden Kunst öffnen uns ein Fenster zur heutigen japanischen Gesellschaft. Die begabte Zeichnerin beobachtet in den für die Ausstellung ausgewählten Animationsfilmen «public conVENience» und «Japanisches Badehaus – Männer» unterschwellige gesellschaftliche Konventionen, deren Seltsamkeiten sie schonungslos an die Oberfläche holt.

    «Bilder schöner Frauen» im Holzdruck
    Der Schwerpunkt der Ausstellung beruht auf den «Bildern schöner Frauen», japanisch bijinga, im japanischen Holzdruck. Dieses Genre meint wörtlich schöne Menschen beiden Geschlechts, doch sind Darstellungen von Frauen sehr viel verbreiteter. Die idealisierten Schönheiten sind elegante und begehrenswerte Frauen, darunter Kurtisanen (dazu gehören Prostituierte verschiedenen Ranges), in Musik, Tanz und Konversation gut ausgebildete Geishas (wörtlich «Kunstpersonen»), Angestellte in Teehäusern, Verkäuferinnen oder auch einfache Bürgersfrauen. Man sucht in diesen Darstellungen vergeblich nach individuellen Zügen realer Frauen. Der Schönheitswettbewerb wurde denn auch vielmehr zwischen den Künstlern und den von ihnen geschaffenen Modellen ausgetragen als zwischen den dargestellten Schönheiten selbst. So wetteifern etwa unschuldige Jungmädchengesichter von Suzuki Harunobu (1725?–1770) mit den reifen Schönheiten des unbestrittenen Meisters dieses Genres: Kitagawa Utamaro (1753–1806). Auf seinen Entwürfen basieren nicht weniger als zwanzig der hundert gezeigten Werke.

    Im japanischen Holzdruck wird eine leichtfüssige Welt dargestellt, die das rege kulturelle Leben in den Grossstädten Japans, insbesondere seiner Hauptstadt Edo (heute Tokio) im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wiedergibt. Im Japanischen verwendet man den Begriff ukiyo-e, «Bilder der fliessenden, vergänglichen Welt», als Synonym für Holzdruck.

    Die «fliessende, vergängliche Welt» in diesen Darstellungen kann auch als Welt der Mode interpretiert werden, die sich ihrerseits ständig verändert und vergänglich ist. Tatsächlich scheinen die stark vereinfachten Körperumrisse der Frauen den Künstlern primär dazu zu dienen, Flächen zu definieren, die mit einem unglaublichen Reichtum an wechselnden Stoffmustern und Farbkombinationen ausgefüllt sind. Kleider, Frisuren und Haarkämme sind der eigentliche Blickfang. Das sich wandelnde Schönheitsideal manifestiert sich folglich in den «Bildern schöner Frauen» offensichtlicher in Bezug zur Mode und weniger in Bezug zu physiognomischen Präferenzen. Frauen, die nach dem letzten Schrei gekleidet und frisiert waren, gehörten zu den Trendsettern der damaligen Zeit.

    

    Video
    Die Ausstellung wird abgerundet durch den Einbezug zweier Videoinstallationen der Künstlerin Tabaimo (geboren 1975), die von der Gallery Koyanagi in Tokio zur Verfügung gestellt werden. Mit ihrer aufsehenerregenden Installation im Japan-Pavillon an der Biennale in Venedig 2011 hat Tabaimo ihren Ruf als eine der bedeutendsten Gegenwartskünstlerinnen Japans gefestigt.
    Tabaimos vielschichtige Anspielungen auf traditionelle Holzdrucke in ihrer packend eigenständigen, teilweise verstörenden Kunst öffnen uns ein Fenster zur heutigen japanischen Gesellschaft. Die begabte Zeichnerin beobachtet in den für die Ausstellung ausgewählten Animationsfilmen «public conVENience» und «Japanisches Badehaus – Männer» unterschwellige gesellschaftliche Konventionen, deren Seltsamkeiten sie schonungslos an die Oberfläche holt.

    «Bilder schöner Frauen» im Holzdruck
    Der Schwerpunkt der Ausstellung beruht auf den «Bildern schöner Frauen», japanisch bijinga, im japanischen Holzdruck. Dieses Genre meint wörtlich schöne Menschen beiden Geschlechts, doch sind Darstellungen von Frauen sehr viel verbreiteter. Die idealisierten Schönheiten sind elegante und begehrenswerte Frauen, darunter Kurtisanen (dazu gehören Prostituierte verschiedenen Ranges), in Musik, Tanz und Konversation gut ausgebildete Geishas (wörtlich «Kunstpersonen»), Angestellte in Teehäusern, Verkäuferinnen oder auch einfache Bürgersfrauen. Man sucht in diesen Darstellungen vergeblich nach individuellen Zügen realer Frauen. Der Schönheitswettbewerb wurde denn auch vielmehr zwischen den Künstlern und den von ihnen geschaffenen Modellen ausgetragen als zwischen den dargestellten Schönheiten selbst. So wetteifern etwa unschuldige Jungmädchengesichter von Suzuki Harunobu (1725?–1770) mit den reifen Schönheiten des unbestrittenen Meisters dieses Genres: Kitagawa Utamaro (1753–1806). Auf seinen Entwürfen basieren nicht weniger als zwanzig der hundert gezeigten Werke.
    Im japanischen Holzdruck wird eine leichtfüssige Welt dargestellt, die das rege kulturelle Leben in den Grossstädten Japans, insbesondere seiner Hauptstadt Edo (heute Tokio) im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wiedergibt. Im Japanischen verwendet man den Begriff ukiyo-e, «Bilder der fliessenden, vergänglichen Welt», als Synonym für Holzdruck.
    Die «fliessende, vergängliche Welt» in diesen Darstellungen kann auch als Welt der Mode interpretiert werden, die sich ihrerseits ständig verändert und vergänglich ist. Tatsächlich scheinen die stark vereinfachten Körperumrisse der Frauen den Künstlern primär dazu zu dienen, Flächen zu definieren, die mit einem unglaublichen Reichtum an wechselnden Stoffmustern und Farbkombinationen ausgefüllt sind. Kleider, Frisuren und Haarkämme sind der eigentliche Blickfang. Das sich wandelnde Schönheitsideal manifestiert sich folglich in den «Bildern schöner Frauen» offensichtlicher in Bezug zur Mode und weniger in Bezug zu physiognomischen Präferenzen. Frauen, die nach dem letzten Schrei gekleidet und frisiert waren, gehörten zu den Trendsettern der damaligen Zeit.

     

  • Die Ausstellung

    Tänzerinnen (Detail), Anonym, ca. 1890, © 2012 Museo delle Culture, Lugano

     

     

     

    sprung ins WC
    Video zur Ausstellung »
    public conVenience
    Tabaimo, Japan, 2006, © Tabaimo/Courtesy of Gallery Koyanagi


     

    Rahmenprogramm zur Ausstellung »

    Zum Pressematerial »

     

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