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Maos Mango – Massenkult der Kulturrevolution

  • 15 Februar – 16. Juni 2013

    Parade mit Mangos

    China
    März 1969
    Poster (Ausschnitt)
    Museum Rietberg Zürich
    Geschenk Alfreda Murck
    Foto: Rainer Wolfsberger

     

    Wie kommt man darauf, eine halbverfaulte Mango in Formaldehyd einzulegen und als grosse Kostbarkeit zu bestaunen? Warum trägt man Wachsnachbildungen von Mangos in Prozessionen mit und verehrt sie wie religiöse Objekte? Wie kann eine harmlose Frucht eine starke politische Botschaft verkörpern? Die Ausstellung erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Propagandasymbols während der Grossen Proletarischen Kulturrevolution (1966– 1976) in China. 1966 lanciert Mao Zedong die Kulturrevolution als Massenbewegung: Er ruft Schüler und Studenten auf, eine neue Gesellschaft zu schaffen und alles Alte auszumerzen. Die jungen Leute nehmen den Auftrag enthusiastisch an – und stürzen in kürzester Zeit das ganze Land in Chaos. Zwei Jahre später beschliesst Mao, die Bewegung wieder der Kontrolle der Partei zu unterstellen. Offiziell verkündet er jedoch, dass nun die Arbeiterklasse die Leitung übernehmen müsse. Just zu dieser Zeit erhält Mao eine Kiste mit Mangos als Gastgeschenk des pakistanischen Aussenministers. Noch in derselben Nacht lässt er die exotischen Früchte an die Arbeiter verteilen. Im Nu verwandeln sich die Mangos in ein Zeichen von Maos Güte und Fürsorge und werden zum Zentrum kultischer Verehrung. Das Symbol findet schnell Eingang in die Populärkultur, es ziert Tassen, Schalen, Zigarettenpackungen, Abzeichen, Decken und weitere Alltagsgegenstände. Ein gutes Jahr grassiert in China das «Mango-Fieber». Dann verschwindet die Frucht sang- und klanglos aus dem Propagandarepertoire.

     

     

  • Highlights der Ausstellung

    Video-Trailer

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