Randspalte

Inhalt

Guoan Shiyuan (12. Jh.)

  • Die zehn Büffelbilder als Weg des Zen

    Die Bild- und Gedichtserie des chinesischen Zen-Meisters Guoan Shiyuan ist einzigartig in der Geschichte der Mystik. Denn nirgends sonst wurde der spirituelle Weg auf so einfache und tiefgründige Art geschildert.

    Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts kursierten in der chinesischen Zen-Welt verschiedene Bild- und Gedichtserien, welche mit Hilfe der Motive Büffel und Kreis den spirituellen Werdegang des Erleuchteten veranschaulichen. Der Kreis symbolisiert die endgültige Erleuchtung, das Nirwana, und der Büffel das wahre Selbst des Suchenden. Buddha werden bedeutet im Zen-Buddhismus nichts anderes als die eigene Natur schauen.

    Guoan lässt in seiner Serie den Hirten zunächst im Dunkeln tappen. Der Hirte weiss vorerst nicht, wonach er sucht. Auf dem Weg muss der Hirte einige Schwierigkeiten meistern, bis er den Büffel einfangen und heimführen kann. Das Erwachen zum wahren Selbst, das «Schauen der eigenen Natur», ereignet sich nur, wenn das eigene Ich vergessen ist. An dieser Stelle könnte die Serie mit dem Nirwana-Kreis enden, der die vollkommene Erleuchtung symbolisiert. Doch Guoan deutet mit zwei weiteren Bildern an, dass man erst nach dem Erwachen alles so sehen kann, wie es wirklich ist. Im letzten Bild schlendert der Erwachte über das ganze Gesicht strahlend als Bodhisattva mitten ins Getriebe der Welt, und ein anderer Hirte kreuzt seinen Weg.

Agenda

Agenda