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Hisamatsu Shin’ichi (1887–1980)

  • Zen-Meister, Zen-Künstler und Philosoph

    Hisamatsu Shini'ichi lebte jahrzehntelang im Zen-Kloster Myoshinji und lehrte Buddhismus an der Universität Kyoto. Kunst galt ihm als wichtiger Ausdruck des Erwachens.

    Die Schriftkunstwerke Hisamatsus und anderer grosser Zen-Meister haben einen ganz besonderen Reiz und werden hochgeschätzt, tanzen doch ihre Pinsel frei von Schönschreib- und anderen Konventionen über das Papier - spontan, ungekünstelt und atemberaubend ichlos.

    Dieses «Ich», das sich von anderen und anderem abgrenzt und auf diese Weise Gestalt gewinnt, entspricht in Hisamatsus Gedicht der Person, die auf immer befangen sein wird, wenn sie nicht «alles auszieht», einschliesslich Körper und Geist. Dieses unvermeidlich beschränkte Ich ist genau das, was sich nach dem Absoluten sehnt und sehnen muss. Mit dem Wegfallen von Körper und Geist und dem Tod dieses Ichs hingegen findet der Durchbruch zum Grenzenlosen statt: das Ende aller Sehnsucht.

    Los, los, los!
    Los jetzt, lass uns tanzen!
    Tanze, tanze, zur Gänze nackt -
    was hast du zu verlieren?
    Die Nacktheit unsrer Jugend
    geht viel zu wenig weit:
    machst du dich nicht völlig frei
    wirst' auf immer befangen sein.

    Weg mit der weissen Unterwäsche
    den schwarzen, roten Hosen:
    los, zieh's aus, zieh Alles aus -
    auch den Körper, deinen Geist:
    weg damit, lass alles los!
    Ja, tanze, tanze, splitternackt
    Los jetzt, lass los! Los!

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