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Heinrich Seuse (um 1295-1366)

  • Der Schüler und Lehrer in der «Hochschule der Gelassenheit»

    Der Konstanzer Dominikanermönch Heinrich Seuse war der wichtigste Schüler von Meister Eckhart und der meistgelesene mystische Autor in spätmittelalterlichen Frauenklöstern.

    In seinem autobiografischen Werk mit dem Titel Exemplar beschreibt Seuse sich als «Diener der ewigen Weisheit». Dieser «Diener» verbringt die erste Lebensphase, bis ins Alter von vierzig Jahren, in selbst auferlegter härtester Askese: Er schindet seinen Körper systematisch und ersinnt immer härtere Übungen.

    In der zweiten Phase seines Lebens lernt der «Diener» zu ertragen, was das Leben ihm zumutet. Dies geschieht nicht ganz freiwillig und wird ihm wie der Übertritt in die höchste Ausbildungsstufe, in die «Hochschule der Gelassenheit», beschrieben. In diesen Jahren wird er Schüler und Lehrer zugleich, weil er nicht nur selbst die geforderte Hingabe lernt, sondern auch andere Menschen in die Kunst des mystischen «Entwerdens» einweiht.

    Seuses wichtigste Schülerin war Elsbeth Stagel aus Zürich, die im Dominikanerinnenkloster Töss bei Winterhur lebte. Die intellektuell agile Frau brannte danach, die mystische Lehre von ihrem Seelsorger und Brieffreund Heinrich erklärt zu bekommen.

    Seuses Exemplar ist in nur vier Bilderhandschriften vollständig erhalten. Die berühmte Handschrift aus der Stiftsbibliothek Einsiedeln stammt aus Konstanz, wo Seuse viele Jahre lang gelebt hat. Die Hörstation führt in den Dialog zwischen dem «Diener», seiner Schülerin Elsbeth und einem mystischen Hund ein.

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    Audio: "Die Stunde des Hundes" (Ausschnitte)

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