Randspalte

Inhalt

Mechthild von Magdeburg (um 1207-1282)

  • Vom Fliessen des göttlichen Lichts

    Mechthild von Magdeburg war die erste auf Deutsch schreibende Mystikerin. Sie schrieb ihr Buch «Das fliessende Licht der Gottheit» als Geliebte Gottes. Der eigentliche Urheber des Buches aber sei Gott selbst, und der Text sei wie das Licht der Gottheit in sie «eingeflossen».

    Mechthilds berühmtes Buch ist hochpoetisch und vielgestaltig. Es umfasst Gebete, Visionsberichte, Loblieder, Bibelauslegungen und viele szenische Dialoge (zwischen der Seele und ihrem göttlichen Geliebten ebenso wie zwischen Lebenden und Toten).

    Das Ich in Das fliessende Licht der Gottheit versteht sich als Liebende. Sie führt mit ihrem Geliebten ein auf die Heilsgeschichte bezogenes Gespräch und nimmt als Miterlösende teil an dessen Schöpfung. In Mechthilds Buch verhalten sich die liebende Seele und ihr göttlicher Partner zueinander wie die Geliebten im alttestamentlichen Hohelied der Liebe: Sie begehren einander, vereinigen sich und müssen doch - zumindest auf Erden - immer wieder schmerzlich voneinander lassen. Darin wird nicht nur die Beschränktheit der Erfahrungsmöglichkeiten im Körper erfahren. Vielmehr ermöglicht das Getrenntsein eine andere, negative Gotteserfahrung.

    Das Original von Mechthilds in mittelniederdeutscher Sprache geschriebenem Text ist nicht erhalten. Die heute älteste Quelle ist die ins Alemannische übertragene, hier ausgestellte Handschrift aus der Stiftsbibliothek in Einsiedeln.

Agenda

Agenda