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Plotin (204/05-270)

  • Das Streben nach dem höchsten Prinzip

    Der in Ägypten geborene Plotin studierte elf Jahre in Alexandria, bevor er im Jahr 245 nach Rom zog, wo er bis zu seinem Tod lebte und lehrte. Seine Schriften waren nicht nur für das Christentum bedeutsam, sondern beeinflussten auch muslimische und jüdische Mystiker.

    Von Platon (428-347 v. Chr.) übernahm Plotin die Unterscheidung zwischen einer geistigen und einer sinnlichen Welt sowie den Gedanken, dass der Mensch als denkendes Wesen sich von seinem körperlichen Sein zu lösen vermag. Im Bereich des Geistigen findet der Mensch zu seinem wahren Selbst und zur Glückseligkeit. Dies geschieht in einer ekstatischen, der Vernunft nicht zugänglichen Vereinigung mit dem Einen (to hen), dem schlechthin Guten und Schönen, dem Göttlichen.   

    Dieses Eine ist als erstes oder höchstes Prinzip sowohl jenseits als auch Grund allen Seins. Der Geist (nous), der die Vereinigung mit dem Einen ermöglicht, ist das zweite oder mittlere Prinzip. Die Seele (psyche), das dritte und niedrigste Prinzip, strebt zu dem höchsten Prinzip zurück, denn sie geht nur vorübergehend eine Verbindung mit einem Körper ein. Die als Aufstieg geschilderte Denkbewegung beschreibt Plotin stellenweise in erotischer Sprache als «lustvolle Erschütterung» einer zur «himmlischen Aphrodite» gewordenen Seele, die von Gott befruchtet und schwanger wird.

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