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Abhinavagupta (10./11. Jh.)

  • Mystiker und Tantriker aus Kaschmir

    Abhinavagupta, Mystiker und tantrischer Meister aus Kaschmir, ist eine herausragende Gestalt der indischen Geisteswelt: Er war Philosoph, Exeget, Meister der Logik und Ästhetik, Poet, Dramaturg und Musiker.

    Abhinvavagupta lebte zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert in Kaschmir (in der Nähe des heutigen Shrinagar). Er wurde in eine brahmanische Gelehrtenfamilie hineingeboren, wo er zunächst vom Vater ausgebildet wurde; später studierte er bei wichtigen Gurus. Unter seinen Werken ist das Tantraloka ein Schlüsseltext - eine enzyklopädische Abhandlung über den Shivaismus.

    Folgt man Abhinavagupta, so muss man Shiva werden, um unmittelbar am kosmischen Bewusstsein und der Lebensenergie des Gottes teilzuhaben. Diese «Shiva-Werdung» ist ein Wiedererkennen des wesenseigenen Shiva-Seins. Es ist ein ganzheitliches Erleben der eigenen göttlichen Natur. Nicht der Rückzug aus der Welt führt zur Befreiung, sondern komplexe Ritualpraktiken und die Einheit von Körper und Geist.

    Das Besondere an der Spiritualität Abhinavaguptas ist seine Verbindung zwischen Ästhetik und Mystik. Von der ästhetischen zur mystischen Erfahrung ist es nur ein Schritt; er nennt die ästhetische Erfahrung den «jüngeren Bruder» der Erfahrung des Absoluten. Im Gegensatz zu einer leib- und weltfeindlichen Spiritualität geht es ihm um eine Erfahrung der Göttlichkeit des Leibes und des Kosmos, denn «alles ist Shiva!».

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