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Kabir (14./15. Jh.)

  • Der Diener des Grossen

    Der nordindische Dichter Kabir, «der Grosse» bzw. «Diener des Grossen», wirkte vermutlich zwischen 1500 und 1525 in Varanasi, der altehrwürdigen Pilgerstadt am Ganges, Hochburg der orthodoxen Gelehrsamkeit. Kabir entstammte einer Weber-Kaste.

    Kabir ist der berühmteste indische Sant («Heilige»). Sein Weg und Ziel ist bhakti, die gegenseitige liebende Teilhabe von Mensch und Höchstem. Ohne diese bhakti bleibt der Mensch der Welt verfallen. Er ist nicht im Stande, die Einheit zu erfahren, die ihn aus dem Kreislauf des Werdens und Vergehens befreit.

    Kabir bezeichnet das Höchste vorzugsweise mit dem Gottesnamen Ram oder Hari. Dabei versteht er das Höchste als gestaltloses Inneres, das man unvermittelt erfahren kann. Diese Erfahrung bohrt sich dem Frommen wie ein Pfeil ins Herz. Er ist zu Tode getroffen vom Wort des Höchsten. Der Welt gestorben, lebt er lichthaft erkennend ewig in Einheit.

    Kabirs Werke verbreiteten sich mit den wandernden Sängern und Frommen in weite Teile Nordindiens. Für die Muslime war er jemand, der an die Einheit Gottes glaubte. Der Hagiograph Nabhadas schrieb um 1600, dass seine Werke für Hindus und Muslime gleichermassen gültig seien, er habe für keine bestimmte Gruppe Partei ergriffen.

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