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Mirabai (um 1500–1550)

  • Zwischen Herrscherhaus und weltlicher Entsagung

    Mira (oder Mirabai), eine der bekanntesten heiligen Dichterinnen Nordwestindiens, richtete ihr Leben vollständig auf ihre Liebe zu Krishna aus. Ihre bhajans (Lobpreisungen) erzählen von ihrer Verstossung aus dem Herrscherhof und der Suche nach der Vereinigung mit ihrem geliebten Gott.

    Mirabai ist gleichermassen Projektionsfläche und Identifikationsfigur. Ihre in verschiedenen Sprachen tradierten Lieder zeugen von dem sozialen Spannungsfeld, in dem sie sich als Witwe bewegte. Für die einen ist sie eine subversive Mystikerin, die sich bewusst über gesellschaftliche Normen hinwegsetzte, für andere ist sie eine vollkommene Yogini (Asketin).

    Mirabai verzehrt sich in ihrem Verlangen zu Krishna. Jener jedoch, der die Leidenschaft in seiner Verehrerin entfacht hat, ist ebenso ephemer wie vielgestaltig. Mal taucht er als Yogi auf, mal als leibhaftiger Liebhaber, der aber immer wieder auf sein Erscheinen warten lässt.

    Mirabai reflektiert in ihren leicht zugänglichen und unmittelbar wirkenden Gesängen das gesamte Spektrum menschlicher Empfindungen. Sie besitzt in ihrer Rolle als Geliebte Krishnas Ähnlichkeiten mit der christlichen Gottesbraut Mechthild von Magdeburg und anderen christlichen Mystikerinnen des Mittelalters.

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