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Abraham Abulafia (1240-1291)

  • Gotteserfahrung in der heiligen Sprache

    Abraham Abulafia war eine umstrittene Gestalt des spanischen Judentums. Als Kabbalist geriet er einerseits in Konflikt mit jüdischen Autoritäten in Spanien. Andererseits kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit Anhängern des Christentums, als er die Vision hatte, Papst Nikolaus III. zum Judentum zu bekehren. Dieser Versuch scheiterte und brachte ihn für vier Wochen Gefängnis.

    Das Ziel von Abulafias kabbalistischer Lehre ist das Erreichen eines «prophetischen» Zustands. Der Weg zu dieser ekstatischen Gotteserfahrung wird sowohl auf der körperlichen wie auf der geistigen Ebene beschritten. Neben Fasten, Reinigung, Atemtechniken und bestimmten Bewegungen, empfiehlt Abulafia eine Meditationsform, die rein sprachlicher Art ist: den «Weg der Namen» (derech ha-schemot) und den «Weg der 22 Buchstaben» (derech kaph-beth otiyot).

    Dabei wird die heilige Schrift, die Thora, in ihre Bestandteile, die Buchstaben, zerlegt und diese werden neu kombiniert. Mit diesem Verfahren sollen die im Text verborgenen Gottesnamen ans Licht geholt werden. Durch Auflösung und Neubildung entsteht am Ende ein absoluter Text, der nur noch Buchstabenkombinationen des Heiligen Namens darstellt und beim Meditierenden in und über die Sprache zu einem rauschartigen Gotteserleben führt.

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