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Fragen und Antworten

Wie funktioniert die chinesische Schrift?

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Was bedeuten die roten Siegel auf den Bildern?
Seit dem 14. Jahrhundert sind die Siegel ein wichtiger Teil der Gelehrtenkultur. Die Künstler besassen meist mehrere Siegel. Eingeschnitten ist ihr persönlicher Name, ein Künstlername oder auch ein Motto oder Leitspruch. In der Regel verwendet man dafür die altertümliche Siegelschrift. Die Zeichen wurden von den Künstlern selber oder von spezialisierten Siegelschneidern in einen weichen Stein geschnitten. Dabei können die Zeichen vertieft (weiss auf rot) oder erhaben (rot auf weiss) gearbeitet sein. Jedes dieser Siegel ist ein kleines Kunstwerk an sich.

Auch Sammler und Besitzer drückten ihr Siegel auf ein Werk. Daher finden sich auf manchen Bildern eine grosse Anzahl solcher leuchtend roten Siegel.

Wie schreibt man Hans, Laura, Andrea oder andere Namen auf Chinesisch?
Namen werden rein phonetisch transkribiert, d. h. mit Schriftzeichen geschrieben, die von ihrem Lautwert der Aussprache des Namens entsprechen. Dabei werden meistens Schriftzeichen gewählt, die möglichst wenig Eigenbedeutung, wie z. B. grammatische Partikel oder Zählwörter, oder eine positive Bedeutung haben. Für Mädchennamen greift man z. B. oft auf Blumennamen zurück. Da es im Chinesischen sehr viele gleich ausgesprochene Zeichen gibt, hat man verschiedene Möglichkeiten, Namen zu übersetzen. Heute gibt es jedoch standardisierte Wörterbücher für westliche Namen.

In China gibt es übrigens keine festgelegten Vornamen. Im Prinzip kann man jedes Wort als persönlichen Namen wählen. Auch Frauen- und Männernamen sind nicht klar voneinander unterscheidbar. Meistens suchen die Eltern einen Namen mit einer positiven Bedeutung oder einem persönlichen Wunsch für ihr Kind aus. So erhalten Mädchen häufig Namen, die mit Schönheit oder Zartheit assoziiert sind, Jungens welche, die mit Mut und Loyalität verbunden sind. In den 50er- und 60er-Jahren wurden nicht selten politische Slogans als Namen verwendet, wie z.B. 东红 («Der Osten ist rot») oder 建国 («Das Land aufbauen»). Heute sind oft Namen modern, die einen westlichen Klang haben, wie 李丽 Lili oder 丽娜 Lina.

Apropos: Bei chinesischen Namen steht der Familienname immer zuerst, dann folgt der meist aus zwei Zeichen (und Silben) bestehende persönliche Name.

Wie lernten und lernen die Kinder in China Lesen und Schreiben?
Im alten China war die Bildung ein Privileg der männlichen Oberschicht. Ihre Familien konnten es sich leisten, einen Privatlehrer anzustellen, oder ihre Söhne auf eine private Akademie zu schicken. Im 10. Jahrhundert waren etwa 3–5 % der männlichen Bevölkerung lese- und schreibkundig. Das klingt zwar nicht nach besonders viel, in einem Land mit einer Bevölkerung von 100 Millionen waren das aber immerhin etwa 2 Millionen Menschen.

Gelernt wurde durch das unermüdliche Rezitieren der immer gleichen Texte. Grosser Beliebtheit zum Leseerwerb erfreute sich beispielsweise der «Drei-Zeichen-Klassiker». Dieser kurze Text von moralischen Lehrsprüchen ist in Sätzen zu jeweils drei Zeichen aufgebaut und umfasst die 514 wichtigsten Schriftzeichen.

Mit der Einrichtung von öffentlichen Schulen seit Anfang des 20. Jahrhunderts, durch grosse Alphabetisierungskampagnen in den 1950-er Jahren und der Einführung der allgemeinen Schulpflicht, konnte die Analphabetenrate auf unter 5 % gesenkt werden und ist damit auf dem Niveau der westlichen Industrieländer.

Auch wenn heute moderne Schulmaterialien entwickelt werden, müssen die Zeichen doch auswendig gelernt und geübt werden. Lernziel der ersten Klasse sind ca. 700 Schriftzeichen. Nach sechs Grundschuljahren werden die Kenntnis von gut 3000 Zeichen erwartet, am Ende der Mittelschule 4000 und zur Hochschulreife 4500 Zeichen.

Wie einfach ist es für Chinesen, unsere Schrift zu lernen?
In der Volksrepublik China lernen die Kinder mit den ersten Schriftzeichen auch eine Lautumschrift ­– Pinyin genannt – die auf den lateinischen Buchstaben basiert. Diese Lautumschrift dient als Lesehilfe für die Standardaussprache der Zeichen. Daher können alle Chinesen die lateinischen Buchstaben lesen. Allerdings ist die Buchstabenschrift nur eine kleine Hürde beim Erlernen der deutschen Sprache. Auch für Chinesen ist es schwierig, sich eine ganz fremde Sprache anzueignen, die von der Struktur ihrer eigenen völlig verschieden ist. Dazu kommen die komplizierte Grammatik des Deutschen und ein grosser Wortschatz. Ein durchschnittlicher 15-Jährige soll etwa 12‘000 Wörter kennen, Goethe hat in seinen Werken knapp 90‘000 verschiedene Wörter verwendet, das Wörterbuch der Gebrüder Grimm listet 350‘000 Worte und neuste Erhebungen sprechen von über 5 Millionen nachgewiesenen deutschen Worten.  

Gibt es in China Linkshänder?
Wie überall auf der Welt, gibt und gab es auch in China Linkshänder. Allerdings wurden bis vor kurzem alle Linkshänder auf die «korrekte» rechte Hand umtrainiert. Im Prinzip macht es für das Schreiben der Zeichen und die Handhabung des Pinsels keinen Unterschied, ob man mit Rechts oder Links schreibt. Aus der Geschichte sind nur wenige linkshändige Schriftkünstler bekannt. Der Künstler Gao Fenghan (1683­–1749, Nr. 82) beispielsweise schuf mit der linken Hand seine eindrucksvollsten Werke, nachdem seine Rechte nach einer Krankheit gelähmt blieb.

Werden heute noch neue Schriftzeichen geschaffen?
Eine Studie von 1988 hat ergeben, dass seit dem «Grossen Wörterbuch der Kangxi-Ära» von 1766 insgesamt 271 neue Zeichen entstanden sind. Etwa ein Drittel davon sind für Bezeichnungen von Elementen oder Stoffen in der Chemie entwickelt worden. Ein weiteres Viertel wird rein phonetisch für fremde Begriffe verwendet. Nur ein kleiner Teil dieser neuen Zeichen hat allgemeine Verbreitung gefunden. Beispielsweise kreierte 1953 ein Ingenieur aus den drei Zeichen人工石 (von Menschen gemachter Stein) das neue Zeichen 砼 für Beton, um das viel kompliziertere 混凝土 zu ersetzen.

Was ist die Beziehung zwischen chinesischer und japanischer Schrift?
In Japan übernahm man im 5. Jh., im Rahmen eines grossen Kulturimports aus China, auch die chinesische Schrift und Schriftsprache. Die ersten japanischen Aufzeichnungen waren also auf Chinesisch. Um die japanische Sprache schriftlich zu fixieren, eignen sich die chinesischen Schriftzeichen nur bedingt, denn die beiden Sprachen unterscheiden sich strukturell grundlegend. Das Chinesische ist eine nichtflektierende Sprache, d.h. ein Wort ändert sich nicht gemäss seiner grammatischen Funktion. Dagegen ist das Japanische stark flektierend. Deshalb werden in der japanischen Schrift die aus dem Chinesischen übernommenen Schriftzeichen (jap. Kanji) mit zwei Systemen von Lautschriften kombiniert, dem Hiragana und dem Katakana. Die Kanji werden für Nomen und den Stamm von Verben und Adjektiven verwendet, das Hiragana für grammatische Formen und Partikel und das Katakana für Fremdwörter.

Wann entstand die chinesische Schrift?
Die ersten bekannten chinesischen Texte sind auf Tierknochen geschrieben, die im 12. bis 10. Jahrhundert v. Chr. im Feuerorakel verwendet wurden. Auf diesen Orakelknochen lassen sich an die 5000 verschiedene Schriftzeichen erkennen. Sie zeugen von einer hoch entwickelten Schrift, die komplexe Zusammenhänge ausdrücken kann.
Die Vorläufer dieses Schriftsystems sind unbekannt. Vereinzelt gefundene eingeritzte Zeichen auf Keramik aus der Zeit zwischen dem 5. und 3. Jahrtausend v. Chr. zeigen zwar Ähnlichkeiten mit den Orakelknochenschriftzeichen; eine direkte Verbindung lässt sich jedoch nicht herstellen.
Eine Legende erzählt, dass ein gewisser Cang Jie, Geschichtsschreiber des mythischen Gelben Kaisers, in grauer Vorzeit die Schrift geschaffen habe. Er soll die Spuren der Tiere im Sand analysiert und daraus die Schriftzeichen abgeleitet haben.

Wer kann alle fünf Schrifttypen lesen?
Gut lesbar für alle Schriftkundigen sind die Standardschrift, auf der die chinesische Druckschrift basiert, und die Kanzleischrift, die vor etwa 2000 Jahren für alle offiziellen Dokumente verwendet wurde. Die Kursivschrift entspricht einer schnellen Handschrift und ist – je nach Grad der Verschleifung – mehr oder weniger leicht zu entziffern. Auch wenn bei der Kursiv- und der noch stärker abstrahierenden Konzeptschrift oft mehrere Striche zu einer Linie zusammengezogen werden, bleibt die Reihenfolge der Striche beim Schreiben der Zeichen bestehen. So kann ein geübter Kalligraf die Schreibbewegung nachvollziehen und selbst die wilden Tuschespuren der «verrückten Konzeptschrift» enträtseln. Die archaische Siegelschrift lässt sich kaum aus der heutigen Standardschrift ableiten und wird nur von Fachleuten beherrscht.

Kann man die «Manuskripte der Natur» der Künstlerin Cui Fei lesen?
Die Künstlerin sagt von ihrem Werk, dass sie die «stimmlosen Botschaften der Natur» hörbar machen möchte. Sie benutzt dazu eine universell verständliche «Schrift», die zwar nicht gelesen, aber von allen Menschen verstanden werden kann.
Die Zweige und Weinreben ihrer Installation erinnern zwar in ihrer formalen Ästhetik an chinesische Schriftkunstwerke, formen aber keine Schriftzeichen nach. Es bleibt der Fantasie jedes Einzelnen überlassen, das Werk zu deuten. Die Künstlerin erzählte beispielsweise, wie eine Gruppe von Kindern die Bewegung der Zweige tänzerisch umgesetzt hätten. 

Wie viele Menschen schreiben Chinesisch?
Über 1,3 Milliarden Menschen in China, Taiwan, Hongkong und Singapur sowie zahlreiche Auslandschinesen in allen Erdteilen verwenden die chinesischen Schriftzeichen. Das ist fast ein Fünftel der Menschheit.
Bis ins 19. Jahrhundert galt Chinesisch auch als Bildungssprache in vielen Gebieten Ost- und Südostasiens, so unter anderem in Korea, Japan und Vietnam.

Sprechen alle Chinesen dieselbe Sprache?
In den verschiedenen Regionen Chinas und der chinesischen Diaspora werden unterschiedliche Dialekte gesprochen. Zum Teil weichen diese so stark voneinander ab, dass die Menschen sich untereinander nicht verstehen können. Aus diesem Grund sprechen einige Wissenschaftler auch von verschiedenen chinesischen Sprachen. Wenn diese Menschen jedoch schreiben, dann zeigen sich keine Unterschiede: In der Schrift gibt es nur eine einzige chinesische Sprache. Der Unterschied zwischen gesprochener Sprache und Schrift beruht darauf, dass die chinesische Schrift keine phonetische Schrift ist. Die Schriftzeichen sind nicht lautgebunden, sondern stehen für ein bestimmtes Wort, das in verschiedenen Dialekten verschieden ausgesprochen werden kann.

Gibt es eine chinesische Standardsprache?
Als Standardsprache galt im alten China jeweils der am Hof der Herrscher gesprochene Dialekt. Im 14. Jahrhundert wurde eine standardisierte Variante der nördlichen Dialekte zur Lingua Franca im ganzen Reich. Man nannte sie in China «Beamtensprache». Im Westen wurde sie als «Mandarin bekannt– «Mandarin» war die portugiesische Bezeichnung für chinesische Beamte. Anfang des 20. Jahrhunderts legte man im Zuge zunehmender Alphabetisierungs-Bemühungen eine offizielle Standardsprache fest, die stark an den in Beijing gesprochenen Dialekt angelehnt ist. Sie wurde zum heute international gebräuchlichen Hochchinesisch.

Ist jedes Schriftzeichen ein Wort?
In der traditionellen Schriftsprache steht in der Regel jedes Schriftzeichen für ein Wort, trägt also einen eigenen Bedeutungsinhalt. Diese Schriftsprache wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert für offizielle Dokumente und bestimmte literarische Gattungen – beispielsweise die Dichtkunst – verwendet.
Jedes Schriftzeichen steht gleichzeitig für eine bestimmte Silbe. In der Umgangssprache wurden häufig mehrere Silben und damit auch mehrere Schriftzeichen zu einer einzelnen Wortbedeutung zusammengezogen. Deshalb bestehen auch heute die meisten chinesischen Worte aus zwei oder mehr Silben und entsprechend vielen Schriftzeichen.

Ist Chinesisch schwierig auszusprechen?
Chinesisch ist eine tonale Sprache. Das heisst, dass der Tonfall, in dem eine Silbe gesprochen wird, bedeutungsunterscheidend ist. Für Sprecher und Sprecherinnen europäischer Sprachen ist das sehr ungewohnt.
In der heutigen chinesischen Standardsprache gibt es fünf verschiedene Töne. Der Tonverlauf einer Silbe kann beschrieben werden als neutral (lu), als gleichbleibend hoch (lū), als aufsteigend (lú), als abfallend (lù) beziehungsweise als erst abfallend, dann aufsteigend (lŭ).
Das Hochchinesisch kennt etwas mehr als 400 verschiedene Silben, die wiederum durch die fünf Töne variiert werden können. Insgesamt gibt es etwa 1300 verschiedene Aussprachemöglichkeiten für die vielen Tausend Schriftzeichen. Daher haben viele Schriftzeichen eine gleiche Lautung.

Ist die Grammatik des Chinesischen kompliziert?
Von der Grammatik her ist Chinesisch relativ einfach, denn es ist eine nicht-flektierende Sprache. Das heisst, dass die grammatische Funktion eines Wortes in einem Satz nicht durch eine Abwandlung des Wortes verdeutlicht wird (wie Deklination oder Konjugation im Deutschen). Das Wort bleibt immer gleich. Grammatische Funktion wird vor allem durch die Position der Worte im Satz sowie durch bestimmte Partikel vermittelt, die beispielsweise Fragen, Verneinung oder abgeschlossene Handlungen ausdrücken können.

Wie liest man die chinesische Schrift?
Traditionell liest man die chinesische Schrift in vertikalen Zeilen von oben nach unten und von rechts nach links. Daher blättert man auch die alten Bücher nach westlichem Empfinden von «hinten» nach «vorne» und betrachtet die langen Bildrollen von rechts nach links. Seit einer Schriftreform in den 1950er-Jahren schreibt man in der Volksrepublik China allerdings wie bei uns in horizontalen Zeilen von links nach rechts. In Hongkong wird weiterhin die traditionelle Schreibart in verwendet. In Taiwan sind beide Schreibrichtungen im Gebrauch.

Aus wie vielen Strichen kann ein Schriftzeichen bestehen?
Die Anzahl an Strichen ist von Zeichen zu Zeichen sehr unterschiedlich. Das einfachste Zeichen besteht aus einem einzigen Strich, die kompliziertesten aus über 30 Strichen. Im Durchschnitt haben die Zeichen 7 bis 11 Striche.

eins (1 Strich)
Frühling (9 Striche) 
Tau (21 Striche)
schniefen (35 Striche)

Wie viele chinesische Schriftzeichen gibt es?
- auf den Orakelknochen aus dem 13. Jh. v. Chr.: über 5000 verschiedene Zeichen
- im ersten chinesische Wörterbuch aus dem frühen 2. Jahrhundert: 9353 Zeichen
- im Grossen Wörterbuch der Kangxi-Ära aus dem frühen 18. Jh.: 47'035 Zeichen
- im Grossen Chinesischen Schriftzeichenlexikon aus den 1980er-Jahren: 54'678 Zeichen
Bei einem Grossteil dieser Zeichen handelt es sich jedoch um Schreibvarianten, veraltete Zeichen oder sehr selten verwendete Fachbegriffe; gebräuchlich ist nur ein Bruchteil davon.

Wie viele Schriftzeichen muss man lernen, um Lesen zu können?
Ab einer Kenntnis von 2000 Zeichen gilt man nicht mehr als Analphabet. In den ersten sechs Schuljahren lernt man gut 3000 Zeichen. Damit kommt man im täglichen Leben gut zurecht, denn immerhin reicht es, um 99,2 Prozent aller Texte zu lesen. Am Ende der Oberschule sollte man etwa 4500 Schriftzeichen beherrschen. Das entspricht einem gehobenen Wortschatz. Die meisten Computerprogramme enthalten ca. 6500 Zeichen.

Ist Chinesisch eine Bilderschrift?
Nur ganz wenige chinesische Schriftzeichen sind reine Bildzeichen (Piktogramme) und auch diesen sieht man in ihrer heutigen Form das ursprüngliche Bild kaum an, z.B.:

Sonne (ursprünglich ein Kreis mit einem Strich für den Glanz)
Baum (ursprünglich ein Strich für die Erde mit Zweigen darüber und Wurzeln darunter)
Andere Zeichen folgen abstrakteren Kompositionsprinzipien, z.B.: eins , zwei und drei , oben und unten
Bei einigen Zeichen sind zwei Bestandteile nach ihrem Bedeutungsinhalt kombiniert, z. B.:
Sonne und Mond 月 = «hell»
drei Bäume 木 = «Wald»
Mensch und Baum = «ausruhen»
Diese Zeichen machen aber nur ca. 3 % aller Schriftzeichen aus.

Die überwältigende Mehrheit der Schriftzeichen – im heutigen Chinesisch etwa 97% – besteht aus einer Kombination von zwei Elementen: eines verweist auf die Aussprache (Phonetikum), das andere auf die die Bedeutung (Indikator).
Beispiele:
Das Zeichen für Mutter , das man «ma» ausspricht, setzt sich zusammen aus dem Indikator «Frau« und dem Phonetikum «ma».
Das Wort Ameise , das man ebenfalls «ma» ausspricht, aus Insekt und «ma».
Das Wort für Achat , das auch «ma» ausgesprochen wird, aus Edelstein und «ma».

Welche Schrifttypen gibt es?
Den chinesischen Schreibern und Schriftkünstlern stehen fünf verschiedene Schrifttypen zur Verfügung. Je nach Intention und Funktion eines geschriebenen Textes wählen sie einen dieser Schrifttypen und gestalten ihn in ihrer individuellen Schreibweise. Die ältesten Schrifttypen sind Siegelschrift und Kanzleischrift.

1

Die Siegelschrift (zhuanshu) entwickelte sich aus den frühesten Inschriften auf Orakelknochen und rituellen Bronzegefässen.
Der archaische Schrifttyp wird hauptsächlich für Siegel oder die Titel von Steinstelen verwendet und zeichnet sich aus durch eine gleichmässige Strichstärke und gerundete, zum Teil bildhafte Formen.

2

Mit dem vermehrten Gebrauch des Pinsels entwickelte sich die Kanzleischrift (lishu). Sie wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. zur üblichen Schrift für alle offiziellen Dokumente.
Ihr breites, kantig wirkendes Schriftbild ist dominiert von der Betonung der Horizontalen und den breiten Enden des nach rechts auslaufenden Schrägstriches. Deutlich spürbar ist das An- und Abschwellen der Strichbreite, das durch ein Aufdrücken oder Anheben des Pinsels entsteht.

3

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung entwickelten sich Schrifttypen, die das vielseitige Potenzial des beweglichen Haarpinsels voll ausgeschöpften.
Die Kursivschrift (xingshu) ist mit raschen Pinselzügen geschrieben, sodass die einzelnen Striche etwas zusammengezogen werden. Im Schriftbild werden die Bewegung des Pinsels und damit der Akt des Schreibens spürbar. In diesem expressiven Schriftstil wurden vor allem persönliche Schriftstücke wie Gedichte und Briefe verfasst.

4

Noch stärker ist die Verschleifung bei der Konzeptschrift (caoshu). Durch Abkürzungen und Verbindungen der Einzelstriche sowie eine starke Variation der Zeichengrösse entsteht eine grosse Rhythmik und Dynamik. Das Schriftbild gleicht dem Tanz eines Pinsels, und die einzelnen Zeichen sind oft kaum zu entziffern. Diesen Schrifttyp wählten die Künstler für Werke, bei denen der Textinhalt zugunsten der Form in den Hintergrund rückte.

5

Die Standardschrift (kaishu) entwickelte sich als letzter Schrifttyp. Die harmonische, elegante und klare Schrift wurde ab dem 6. Jahrhundert für alle offiziellen Schreiben, religiösen Abschriften und moralischen Texte verwendet. Auf ihr basiert auch die Druckschrift.

Was ist das Besondere am chinesischen Pinsel?
Der chinesische Pinsel besteht aus mehreren Lagen von unterschiedlich langen Tierhaaren. Die innersten Haare haben die volle Länge. Dann folgen mehrere Lagen kürzerer Haare. Die letzte Lage hat wieder die volle Länge. So bildet der tuschegetränkte Pinsel immer eine dünne Spitze.
Ausserdem entsteht im Inneren des Pinsels eine Art Tuschereservoir. Mit einer «Pinselfüllung» kann man mehrere Zeilen schreiben.
Diese Darstellung stammt aus einer japanischen Abhandlung über den Pinsel aus dem Jahr 1834.

6 

Wie integriert das Chinesische neue Begriffe?
Neue Begriffe oder fremdsprachliche Ausdrücke können sinngemäss ins Chinesische übertragen werden, wie beispielsweise:
Computer = diannao («elektronisches Gehirn»)
Eisenbahn = tielu («Eisen-Weg»)
Zug = huoche («Feuer-Wagen»)
Oder man übersetzt den Lauten entsprechend:
Schokolade = qiaokeli (sprich: tschiauköli)
Coca-Cola = kekou kele (was soviel heisst wie «mundend und erfreuend»).

Wir funktioniert eine chinesische Schreibmaschine?
Die meisten chinesischen Schreibmaschinen bestehen aus mehreren Setzkästen mit Bleilettern. Im obersten Kasten befinden sich die ca. 2000 häufigsten Zeichen, die unteren Kästen enthalten selten gebrauchte Zeichen. Die Rolle mit Papier und Farbband ist an einem Wagen befestigt, der über den Setzkasten geschoben werden kann. Zum Tippen steuert man den Wagen zum gewünschten Zeichen im Setzkasten. Über einen Hebel wird das Zeichen angehoben und gegen das Farbband gedrückt.
Der Gebrauch der Schreibmaschine ist äusserst mühsam, denn man muss jedes einzelne Zeichen ansteuern. Dazu sieht man die Zeichen spiegelverkehrt und auf dem Kopf. Selbst eine gute Schreibkraft konnte wohl kaum mehr als 15 bis 20 Zeichen pro Minute tippen.

Was ist eine Abreibung?
Seit dem 7. Jahrhundert ist es in China üblich, in Stein gehauene Inschriften durch Abreibungen zu vervielfältigen. Dazu wird ein Bogen des elastischen, langfaserigen Papiers auf den Stein aufgelegt und mit einer weichen Bürste in die Vertiefungen eingerieben. Dann tränkt man einen Stoffbausch mit Tusche und drückt ihn in kleinen, regelmässigen Abständen auf das Papier. Die erhabenen Stellen werden dabei eingefärbt und die vertieften Stellen bleiben weiss. Ist das Papier getrocknet, kann man es vom Stein abziehen. Solche Abreibungen wurden meist als Hänge- oder Querrollen, oder auch als Alben montiert.
Häufig wurden die Werke berühmter Schriftkünstler in Stein gehauen. Die Steinmetze erreichten beim Übertragen der Schrift eine solche Genauigkeit, dass man selbst bei den Abreibungen noch die Bewegung des Pinsels zu spüren vermeint.

 

 

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