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Fu Baoshi (1904–1965)

Kunsthistoriker und Maler zwischen Tradition und Revolution

Das Lied der Lu-Berge Fu Baoshi (1904–1965) China, datiert 1944 Tusche und leichte Farben auf Papier Geschenk Charles A. Drenowatz RCH 1112A

Das Lied der Lu-Berge
Fu Baoshi (1904–1965)
China, datiert 1944
Tusche und leichte Farben auf Papier
Geschenk Charles A. Drenowatz
RCH 1112A

Als im Jahr der Revolution von 1911 die Republik China ausgerufen und der über zweitausend jährigen Geschichte des chinesischen Kaiserreiches ein Ende gesetzt wurde, war Fu Baoshi sieben Jahre alt. Noch als Lehrjunge in einer Keramikwerkstatt begann der Sohn eines Schirmflickers aus der Provinz Jiangxi Bilder zu malen und Siegel zu schnitzen.

Von 1933 bis 1935 studierte Fu östliche und westliche Kunstgeschichte sowie Malerei an der Hochschule der Künste in Tokio. Nach seiner Rückkehr lehrte er an der Universität von Nanjing. Als die Japaner 1937 Nanjing eroberten, flüchtete er in die Kriegshauptstadt Chongqing und beteiligte sich dort aktiv an der anti-japanischen Widerstandsbewegung. Während der Kriegsjahre liess Fu die monumentale Landschaftsmalerei nach dem Vorbild der Song-Zeit (960–1285) wieder aufleben, um die heroische Grösse der Heimat zu besingen. Als nostalgisch-nationalistische Huldigung an das reiche kulturelle Vermächtnis Chinas gelten auch seine eleganten und archaisierenden Darstellungen historischer und mythologischer Gestalten. Inspiriert von der westlichen Aquarellmalerei sowie von seinem grossen Idol, dem exzentrischen Maler Shitao (1641–1707), entwickelte Fu eine expressive Bildsprache. Ihm war wichtig, dass die emotionale und physische Präsenz des Künstlers im Werk spürbar wird. Deshalb malte Fu oft im betrunkenen Zustand.

In den letzten 15 Jahren seines Lebens arbeitete Fu als angesehener Hochschulprofessor in Nanjing und leistete einen bedeutenden Beitrag zu der offiziell sanktionierten Ästhetik der sogenannten «Kombination von revolutionärem Realismus und revolutionärer Romantik». Er schuf Landschaftsbilder, die sozialistische Errungenschaften, Maos Gedichte oder revolutionäre Begebenheiten illustrierten, hielt dabei aber an seinem eigenen, expressiven Malstil fest. In offiziellem Auftrag entstanden zahlreiche repräsentative Werke, die den Geist und die Zuversicht der Menschen im Neuen China zum Ausdruck bringen sollten, darunter das gewaltige Wandbild von 1959 für die Volkskongresshalle in Beijing: Ein Land, so herrlich wie dieses!

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