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Li Keran (1907–1989)

Erneuerer der Landschaftsmalerei

Landschaft nach einem Gedicht von Mao Zedong Li Keran (1907–1989) China, zweite Hälfte 20. Jh. Tusche und Farben auf Papier Geschenk Charles A. Drenowatz RCH 1120A

Landschaft nach einem Gedicht von Mao Zedong
Li Keran (1907–1989)
China, zweite Hälfte 20. Jh.
Tusche und Farben auf Papier
Geschenk Charles A. Drenowatz
RCH 1120A

Li Keran ist eine Schlüsselfigur der Modernisierung der traditionellen chinesischen Landschaftsmalerei. Er gilt als einer der bedeutendsten offiziellen Künstler Chinas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Li stammt aus einer armen Bauernfamilie aus Xuzhou in der Provinz Jiangsu, seine Eltern waren Analphabeten. In den 1920er Jahren ging der junge Kunstinteressierte nach Shanghai und Hangzhou und studierte traditionelle chinesische Tuschemalerei wie auch moderne westliche Ölmalerei und Zeichnung.

Nach der japanischen Invasion 1937 setzte er sich als Propagandakünstler für die Widerstandsbewegung ein und führte nach der Gründung der Volksrepublik 1949 sein revolutionäres Engagement als Lehrer an der Zentralen Kunstakademie in Beijing ernsthaft und leidenschaftlich fort. Als angesehener Kunstbeamter konnte er in den fünfziger Jahren in die DDR reisen.

Eine mehrmonatige Reise durch China 1954, wo zahlreiche Zeichnungen entstanden, führte künstlerisch zu einem Wendepunkt: Er konzentrierte sich fortan auf die staatlich verordnete, revolutionär-romantische «patriotische» Landschaftsmalerei. Seine leuchtend rot gefärbten oder sehr dunklen heroischen Berglandschaften in der innovativen, an Ölmalerei erinnernden Technik des geschichteten Tuscheauftrags beschwören die Schönheit Chinas. Die Landschaften erweckten überall Bewunderung und sind bis heute Inspiration für viele Künstler. Die dunkle Farbgebung sollte dem Künstler jedoch zum Verhängnis werden: Wie so viele andere Tuschemaler wurde auch Li während der Kulturrevolution (1966–1976) politisch verfolgt. 1967 wurde für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt und anschliessend in in ein Umerziehungslager deportiert. Seine als «Giftpflanzen» diffamierten Werke («zu viel schwarze Tusche») wurden 1974 in der berüchtigten Ausstellung «Schwarze Malerei» gezeigt.

Nach seiner Rehabilitierung, die im Rahmen der neuen Öffnungs- und Reformpolitik Deng Xiaopings Ende der 1970er Jahre erfolgte, wurde Li Keran erneut als Professor an die Zentrale Kunstakademie von Beijing berufen, wo er bis zu seinem Tod 1989 arbeitete. Im Alter malte Li neben Landschaften vor allem Wasserbüffel – ein Symbol für Gefügigkeit und Belastbarkeit. 

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