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Qi Baishi (1864–1957)

Maler des Volkes

Krebse und Schilfgras Qi Baishi (1863–1957) China, frühe 1940er-Jahre Tusche auf Papier Geschenk Charles A. Drenowatz    RCH 1240

Krebse und Schilfgras
Qi Baishi (1863–1957)
China, frühe 1940er-Jahre
Tusche auf Papier
Geschenk Charles A. Drenowatz  
RCH 1240

Der Verkauf des Bildes «Adler auf einer Kiefer» von Qi Baishi im Jahr 2011 für spektakuläre 65 Millionen US Dollar versetzte die westliche Welt in Staunen. Die Frage wurde laut: Wer ist denn dieser Picasso Chinas?

Qi stammte aus einer einfachen Bauernfamilie in der Provinz Hunan. Mit vierzehn lernte er den Beruf des Tischlers und Holzschnitzers. Anschliessend brachte er sich die Malerei, Kalligraphie und die Kunst des Siegelschneidens grösstenteils selber bei.

Mit 40 begab sich Qi auf Wanderschaft und bestritt seinen bescheidenen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Porträts und volkstümlichen Malereien.

Das Reisen wurde erschwert durch die chaotischen politischen Verhältnisse nach der Gründung der Republik 1911. Nachdem auch Qis Heimatprovinz den Ausbeutungen und Plünderungen lokaler Kriegsherren und Banditen zum Opfer gefallen war, entschied sich der 57-jährige 1919, nach Beijing zu übersiedeln.

Hier lernte er seinen Gönner, den Künstler und prominenten Gelehrtenbeamten Chen Zicheng (1876–1923), kennen, der Qi durch eine Ausstellung in Japan (1922) zu Berühmtheit verhalf. Trotz seiner bescheidenen Herkunft und seinem Mangel an klassischer literarischer Bildung konnte Qi nun in der hoch kultivierten, traditionell orientierten Hauptstadt Fuss fassen.

Auf Empfehlung seines Freundes Xu Beihong wurde er 1927 gar als Lehrer an die Nationale Kunstakademie berufen.

In dieser Zeit entwickelte der «Alte Bauer aus Hunan» – so sein Künstlername – seinen unverkennbaren, innovativen und lebhaften Malstil. Unbelastet von chinesischen Malkonventionen und vollkommen unbeeindruckt von westlicher Kunst galt seine Aufmerksamkeit alltäglichen und volkstümlichen Sujets: Ackergeräte und Angelruten, Gemüse, Obst, Pflanzen und Vögel. Besonders gerne schuf er sogenannte «liebevolle Porträts» von Insekten, Klein- und Wassertieren, die er mit energisch geschriebenen Bildaufschriften und mit roten Abdrucken seiner selbst geschnitzten Siegel kombinierte.

Während des chinesischen Widerstandskrieges gegen Japan (1937–1945) legte der patriotisch gesinnte Künstler seine Lehrtätigkeit nieder. Er zog sich zurück und weigerte sich, Aufträge für Japaner und chinesische Mitläufer auszuführen. An seine Haustür hängte er eine Tafel mit der Aufschrift «Bilder werden an Funktionäre nicht verkauft».

Nach der Ausrufung der Volksrepublik im Jahr 1949 wurde Qi zu einer der beliebtesten Künstlerpersönlichkeiten der Nation. Sein bescheidener familiärer Hintergrund und sein frühes patriotisches Engagement passten gut zur neuen Ideologie. 1953 erhielt er vom Kulturministerium den Ehrentitel «Herausragender Künstler des Volkes», und im selben Jahr wurde er Präsident des Chinesischen Künstlerverbandes. 1956, ein Jahr vor seinem Tod, verlieh ihm der Weltfriedensrat den Internationalen Friedenspreis.

Qi Baishis künstlerisches und literarisches Vermächtnis ist gigantisch. Insgesamt soll er über 30‘000 Bilder, rund 3‘000 Gedichte und 3‘000 Schnitzereien geschaffen haben.

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