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Xu Beihong (1895–1953)

Realist und Kunstpädagoge

Galoppierendes Pferd Xu Beihong (1895–1953) China, datiert 1937 Tusche und Farben auf Papier Geschenk Charles A. Drenowatz  RCH 1241

Galoppierendes Pferd
Xu Beihong (1895–1953)
China, datiert 1937
Tusche und Farben auf Papier
Geschenk Charles A. Drenowatz
RCH 1241

Xu lernte zunächst chinesische Tuschemalerei bei seinem Vater, mit dem er in seiner Heimatprovinz Jiangsu als einfacher Wanderkünstler umherzog. Nach einem Aufenthalt in Japan studierte Xu ab 1919 an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris und in Berlin. Er orientierte sich an der europäischen Malerei, am Realismus, studierte Historienmalerei und bewunderte Meister wie Rembrandt, Velazquez und Delacroix. Anschliessend unternahm er eine ausgedehnte Europa-Reise, die ihn auch nach Zürich führte, wo er an Arbeiten von Ferdinand Hodler grossen Gefallen fand.

1927 kehrte Xu nach China zurück und beteiligte sich fortan in seiner Rolle als einflussreicher reformerischer Kunstpädagoge an der hitzig geführten nationalen Debatte um die Erneuerung der Malerei im modernen China. Dabei sah er im akademischen Stil französischer Provenienz des 19. Jahrhunderts das geeignete Mittel, um soziales Engagement auszudrücken. Die Einführung moderner europäischer Kunst in China verglich er mit dem «Erwerb von Morphium und Heroin» und bezeichnete die Werke von Cézanne und Matisse als «schamlos».

In den 1930er und 1940er Jahren organisierte Xu zahlreiche internationale Ausstellungen traditioneller und zeitgenössischer chinesischer Malerei in Honkong, Singapur, Indien, Frankreich, Deutschland, Italien und in der Sowjetunion.

Im Jahr der Gründung der Volksrepublik 1949 durch die Kommunistische Partei wurden Xu Beihong die höchsten Ämter der neuen, ideologisch ausgerichteten Kunstwelt zuteil: Er wurde erster Präsident der Zentralen Kunstakademie in Beijing sowie Vorsitzender des Chinesischen Künstlerverbandes. Neben traditionellen Tuschemalereien, realistischen Zeichnungen und Ölgemälden schuf Xu didaktische, episch-allegorische Werke, die eine Synthese chinesischer und westlicher Techniken bilden. Besonders bekannt sind seine expressiven Darstellungen von Pferden, die während des Sino-Japanischen Krieges (1937–1945) als Symbol für Stärke, Stolz und Zuversicht der chinesischen Nation verstanden wurden. Xu Beihong gilt als Protagonist der modernen chinesischen Kunsterziehung sowie als Wegbereiter des «Revolutionären Realismus» der maoistischen Ära. 

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