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Zhang Daqian (1899–1983)

Fälscher und «letzter Gelehrter Chinas»

Beim Pflücken von Lotus Zhang Daqian (1899–1983) China, um 1935 Tusche und Farben auf Papier Geschenk Charles A. Drenowatz   RCH 1103A

Beim Pflücken von Lotus
Zhang Daqian (1899–1983)
China, um 1935
Tusche und Farben auf Papier
Geschenk Charles A. Drenowatz
RCH 1103A

Als Sohn einer Gelehrtenfamilie aus der Provinz Sichuan wurde Zhang zunächst von seiner Mutter in Malerei unterrichtet. Nach einem zweijährigen Japan-Aufenthalt, wo er das Weben und Färben von Textilien erlernte, widmete sich Zhang nach seiner Rückkehr nach Shanghai im Jahr 1919 dem Studium der Schriftkunst und klassischen chinesischen Gelehrtenmalerei. Er sammelte auch Werke von Shitao und Bada shanren, zwei von ihm bewunderte Individualisten des 17. Jahrhunderts, die er beide auch kopierte.

Im Alter von 42 verbrachte Zhang beinahe drei Jahre in der historischen Oasenstadt Dunhuang, wo er zusammen mit tibetischen Mönchen und seinen Studenten figurale Wandgemälde der berühmten buddhistischen Kulthöhlen kopierte. Diese intensive Beschäftigung mit früher Malerei spiegelte sich später in der Linearität und Farbgebung seiner Figurenmalerei.

Zhang blieb zeitlebens ein Kulturbotschafter Chinas und ein Weltenbummler: Neben unzähligen Reisen lebte er zwischen 1948 und 1976 in Hongkong, Indien, Argentinien, Brasilien

und Kalifornien, bevor er sich endgültig in Taipei niederliess. Eine Ausstellung seiner Werke 1956 im Pariser Musée Nationale d’Art Moderne – wo er auch Picasso traf – zementierte seinen Ruhm auf dem internationalen Parkett: 1957 wurde er von der International Fine Arts Association in New York als «The Best Contemporary Painter in the World» gewählt.

Trotz dieser öffentlichen Anerkennung bleibt das Leben und Werk des charismatischen Laienbuddhisten und selbsternannten «letzten Gelehrten Chinas» rätselhaft. Zhangs malerisches Oeuvre zeichnet sich aus durch eine virtuose eklektische Vielfalt an Stilen und Bildgattungen. Die chinesische Malerei war für ihn eine unerschöpfliche Schatzkammer. Seine Virtuosität befähigte ihn, nicht nur eindrucksvolle Bildschöpfungen, sondern auch meisterhafte Fälschungen herzustellen. 

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