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Kooperation mit dem Palastmuseum in Fumban

  • Kommt man ins Zentrum der Stadt Fumban im Kameruner Grasland, empfängt einen seit kurzem der zugleich futuristisch als auch traditionalistische Neubau des Palastmuseums, das seit kurzem zu Nouveau Musée Royal du Palais des Rois Bamoun umbenannt wurde. Bereits vor der Eröffnung war der spektakuläre Eingang mit den aufgerissenen Mäulern einer doppelköpfigen Schlange ein willkommenes Fotomotiv und macht damit dem historischen Palastgebäude gleich nebenan Konkurrenz. Das Palastmuseum in Fumban, das bereits seit den 1920-er Jahren existiert, beherbergt eine kunsthistorisch bedeutende Sammlung aus dem Besitz der Bamum-Könige. Momentan steht das Museum vor grossen Herausforderungen. Viele der über 1‘000 Kunstwerke bedürfen dringend einer Restaurierung und müssen für den Umzug in den neuen Museumsbau vorbereitet werden. Für die Konservierung und Restaurierung dieses einzigartigen Kulturerbes existiert seit 2010 ein Kooperationsprojekt zwischen dem Palastmuseum und dem Museum Rietberg.

    Kooperation auf Augenhöhe
    Die Kooperation zwischen dem Museum Rietberg und dem Palastmuseum steht unter der Schirmherrschaft des aktuellen Herrschers der Bamum, S.M. Sultan El Hadj Ibrahim Mbombo Njoya. Zunächst stand die fachgerechte Restaurierung eines Perlen verzierten Thronhockers durch drei Restauratorinnen im Vordergrund. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch von Wissen und Capacity Building im Dialog mit den lokalen Kooperationspartnern. Mit Mitteln des BAK und einer privaten Spende finanzierte das Museum Rietberg drei Fachstellen am Palastmuseum. Darüber hinaus fand im Sommer 2017 ein Workshop in Fumban zum Thema Konservierung und Restaurierung statt. Neben den Mitarbeitenden des Museums nahmen auch junge Studierende des Instituts des Beaux Arts der Universität Dschang teil.

    Das Projekt dient dazu, zentrale Fragen und Probleme der Konservierung zu diskutieren, die in vielen Kameruner Museen hochaktuell sind: Wie können Objekte mit lokal vorhandenen Mitteln fachgerecht gelagert, konserviert und ggf. restauriert werden? Wie kann man Risiken wie Insekten, Feuchtigkeit oder Staub vermeiden? Inwiefern unterscheiden sich lokale und internationale übliche Techniken der Restaurierung? Während in westlichen Museen der Erhalt des Istzustandes eines Objekts im Vordergrund steht, beeinflussen in Bamum auch ästhetische, religiöse und kulturelle Aspekte den Umgang mit der Sammlung. So ist das Palastmuseum ein «living museum»: Bestimmte Objekte werden für Feste und Rituale genutzt und danach wieder in ihren musealen Kontext zurückgeführt.

  • Der gigantische Neubau des Museums
    Im Auftrag des Sultans entstand in den letzten fünf Jahren ein beeindruckender Neubau als zukünftiger Museumsstandort, gleich neben dem alten Palastbau mit dem bisherigen Museum im Obergeschoss. Die Konstruktion ist sowohl von modernen Architekturelementen wie Beton, Glas und Kacheln als auch von traditionellen Symbolen der Bamum geprägt: So betritt der Besucher das Museum durch zwei riesige Mäuler einer doppelköpfigen Schlange. Der Mittelteil des Museums, um den sich der Schlangenkörper windet, bildet ein dreigeschossiger Bau in Form einer überdimensionierten Spinne mit acht behaarten Beinen. Schlange und Spinne sind typische Symbole des Königtums in Bamum. Inspiriert von spektakulären Museumsbauten weltweit liess der Sultan für das neue Museum grosszügige Ausstellungsräume, Depots, Restaurierungsateliers und einen Konferenzsaal errichten.

    Unser Kooperationsprojekt hat in der nächsten Phase das Ziel, den Umzug der Sammlung in das neue Gebäude optimal zu begleiten. Hierfür werden im Juli und August 2018 zwei Dozenten der Haute École Arc Neuchâtel gemeinsam mit dem Team des Palastmuseums sowie mit Schweizer und Kameruner Studierenden weitere konservatorisch-restauratorische Massnahmen durchführen.

    Das Kooperationsprojekt ist von immenser Bedeutung für den Erhalt dieses einzigartigen Kulturerbes. Zusätzliches finanzielles Engagement ist nicht nur willkommen, sondern auch notwendig für die Weiterführung des Projektes. Bei Fragen können Sie sich gerne an die Afrika-Kuratorin Michaela Oberhofer wenden.

    Projektleitung: Dr. Michaela Oberhofer
    Kooperationspartner: Direktor Oumarou Nchare, Nouveau Musée Royal du Palais des Rois Bamoun, Fumban/Kamerun
    Projektdauer: seit 2010
    Beteiligte: Valentin Boissonas und Thierry Jacot von der Haute École Arc Neuchâtel (2017/2018) sowie Karin Brettschneider, Petra Czerwinske und Stefanie Göckeritz (2010)
    Drittmittel: 2010-2017 Schweizerisches Bundesamt für Kultur sowie private Spendenmittel

     

    Kontakt

    Dr. Michaela Oberhofer 
    Stv. Leitung Kuratorium, Kuratorin Afrika und Ozeanien, Leitung Sammlungsdienste
    Gablerstrasse 15, 8002 Zürich
    michaela.oberhofer@zuerich.ch

    T. +41 (0)44 415 31 15

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