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Die Sammlungspolitik des Museums Rietberg

  • Das Museum Rietberg Zürich wurde 1952 gegründet, ist das einzige Museum für aussereuropäische Kunst in der Schweiz und besitzt eine bedeutende Sammlung mit Werken aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien. Die Bestände umfassen zurzeit mehr als 45‘000 Fotografien und 25‘000 Objekte (Skulpturen, Malerei, Keramik und Textilien), von denen der grösste Teil in der permanenten Sammlung oder im Schaudepot ausgestellt sind.  

    Die vom Internationalen Museumsrat veröffentlichten «Ethischen Richtlinien für Museen von ICOM» (Erstveröffentlichung 1986, überarbeitete Version vom 8. Oktober 2004) sehen vor, dass jedes Museum seine Sammlungspolitik schriftlich festlegt und veröffentlicht (§ 2.1).

    Die Sammlungspolitik des Museums Rietberg umfasst fünf Punkte:

     

    1. Sammeln

    Das Sammeln ist Teil des Leistungsauftrages des Museums. Der Erweiterung der Sammlung wird durch Ankäufe, Annahme von Schenkungen und Legaten sowie durch Begünstigungen aus Stiftungen und Dauerleihgaben Rechnung getragen. Das Kuratorium ist für sämtliche Erwerbungen verantwortlich. Bei Erwerbungen über CHF 75'000 wird zusätzlich die Meinung externer Spezialisten (Anschaffungskommission) eingeholt.

    Folgendes ist bei der Sammlungserweiterung zu berücksichtigen:

    a) Geografisch-thematischer Ausbau der Bestände

    Beim Ausbau der Sammlung ist in erster Linie darauf zu achten, bestehende Sammlungsgebiete durch kunsthistorisch und ästhetisch qualitätsvolle Objekte zu erweitern oder zu ergänzen. Andererseits können im Zusammenhang mit neu hinzukommenden Schenkungen in Absprache mit dem Kuratorium neue Schwerpunkte gesetzt werden.

    b) Sorgfaltspflicht und Provenienz

    Vor einem Erwerb muss alles unternommen werden, um sicherzustellen, dass die angebotenen Objekte aus legaler Quelle stammen. Die Kuratoren klären die Provenienz  der betreffenden Objekte möglichst lückenlos ab und überprüfen bei Unklarheit die gängigen Datenbanken (Art Loss Register, Interpol, rote Liste von ICOM). In Fällen, in denen ein Zweifel an der rechtmässigen Herkunft der Objekte besteht, wird vom Erwerb abgesehen.

    c) Rechtliche Grundlagen

    Das Schweizerische Kulturgütertransfergesetz (KGTG) ist am 1. Juni 2005 in Kraft getreten. Beim KGTG handelt es sich im Wesentlichen um die Umsetzung der 2003 von der Schweiz ratifizierten UNESCO-Konvention vom 14. November 1970 über die Massnahmen zum Verbot und zur Verhütung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut. Das KGTG regelt insbesondere die Einfuhr von Kulturgut in die Schweiz, seine Durch- und Ausfuhr und seine Rückführung aus der Schweiz sowie Massnahmen gegen die rechtswidrige Übereignung.

    d) Provisorische Annahme von Einzelobjekten und/oder Sammlungen

    Zum Schutz von bedrohten Kulturgütern kann eine provisorische Aufnahme ins Auge gefasst werden (KGTG, Art. 8 resp. Art. 9, Abs. 2), um sie vor einer drohenden Zerstörung durch bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen oder andere Unwägbarkeiten zu bewahren. 

    Ebenso kann bei unklarer Rechtslage eine provisorische Aufnahme ins Museum erfolgen (sogenannte Safe-Haven-Regelung). Dieser Aufnahme folgen Abklärungen über den definitiven Verbleib mit dem Bundesamt für Kultur BAK und dem Herkunftsland.

     

     

    

  • 2. Bewahren

    Sowohl die Sammlung in ihrer Gesamtheit als auch die einzelnen Sammlungsgegenstände sind in ihrer Integrität zu bewahren und somit der Nachwelt zu erhalten. Sammlungsbestände können grundsätzlich nicht veräussert werden. Der sachgerechten Pflege und Aufbewahrung der Sammlung ist höchste Aufmerksamkeit zu widmen. Der Schutz vor Diebstahl und Elementargefahren muss jederzeit gewährleistet sein.

    Entscheidungen über einen allfälligen Ersatz oder eine Restaurierung verlorengegangener oder beschädigter Teile von Objekten werden vom Kuratorium gefällt.

     

    3. Präsentation und Vermittlung

    Definitionsgemäss ist das Museum eine Bildungseinrichtung im Dienste der Gesellschaft. Das Museum präsentiert wesentliche Teile der Sammlung in Dauer- und Sonderausstellungen und macht sie auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich. In diesem Zusammenhang kommt dem Museum die Aufgabe zu, die Bedeutung der Objekte in ihrem kulturellen und ästhetischen Zusammenhang zu vermitteln. Darüber hinaus stellt das Museum Objekte aus eigenen Beständen Dritten (in der Regel Museen) für Ausstellungszwecke zur Verfügung, soweit personelle, konservatorische und Sicherheitsüberlegungen dies gestatten.

     

    4. Dokumentation

    Das Museum Rietberg hat sich verpflichtet, die Sammlungen nach professionellen Standards zu dokumentieren und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Daher gehört es zu den wichtigsten Aufgaben sicherzustellen, dass alle Sammlungsobjekte, die entweder vorübergehend (z.B. als Leihgaben), längerfristig (Dauerleihgabe) oder dauerhaft (Erwerb) in das Museum aufgenommen werden, umfassend dokumentiert sind. Eine Dokumentation umfasst die Beschreibung der Kunstwerke, belegt die Herkunft nach Möglichkeit bis hin zum Künstler und nennt die Umstände, unter denen das Objekt entstand und später in die Sammlung des Museums gelangte. Sie wird durch gezielte Recherchen und Feldforschung von den jeweiligen Kuratoren ständig ergänzt. Diese Informationen sind archivalisch korrekt zu verwahren und durch Publikationen sowie mittels Internetplattform (MuseumPlus Online) öffentlich zugänglich zu machen.

     

    5. Kooperation

    Ergänzend zu den oben genannten Aufgaben fördert das Museum Rietberg spezifisch die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern, insbesondere in den Bereichen der Kulturgütererhaltung (Restaurierung und Konservierung), der Dokumentation und Forschung sowie des Wissensaustausches.

    Die Sammlungspolitik wird alle zwei Jahre überprüft und gegebenenfalls überarbeitet.

    Im Oktober 2017

     

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